«Mein grösster Tipp: Fokussiere dich auf das Kontrollierbare, was du beeinflussen kannst.»


Monika Sattler, Radrekordhalterin und Expertin für Hochleistungsumgebungen, spricht am 2. November 2026 beim «Tag der Lernenden» in Zürich vor Lernenden und Berufsbildnern. Ihre 5 Rezepte drehen sich im Kern darum, wie man sich immer wieder motiviert und was man unternehmen kann, wenn es damit einmal weniger gut klappt.

Frage 1: Die Motivation für den Berufsnachwuchs

Frau Sattler, Sie haben in Ihrer Karriere 20 Jahre Erfahrung in Hochleistungs- umgebungen, sowohl in der Wirtschaft wie auch im Sport. Bald stehen Sie am Tag der Lernenden in Zürich vor Hunderten von Jugendlichen, die am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn stehen. Was motiviert Sie persönlich, Ihre Erfahrungen an diese Generation weiterzugeben?

Wenn ich an meine eigene Zeit in diesem Alter zurückdenke, erinnere ich mich an viele Fragen, Zweifel und Ängste: Was ist der nächste Schritt in meiner Karriere? Ist das der richtige Weg für mich? Was, wenn ich merke, dass mir das gar keinen Spass macht? Heute schaue ich mit einem ganz anderen Blick auf diese Zeit zurück - und genau das möchte ich weitergeben: wie man diese spannende, aber auch unsichere Phase meistert.

Frage 2: Die Kraft der Gedanken im Alltag

Das übergeordnete Thema Ihres Beitrags ist das ‚Positive Denken im Berufsalltag‘. Im Spitzensport entscheidet die mentale Einstellung oft über Sieg und Niederlage. Wie lässt sich diese Kraft der gezielten Gedanken konkret auf den oft von Routine geprägten Alltag einer Lernenden oder eines Lernenden im Büro oder in der Werkstatt übertragen? Wie wird positives Denken dort zum Erfolgsfaktor?

Bei allem, was man tut, hat man eigentlich die Wahl: Man kann sich in die Probleme und das Negative hineinsteigern - das zieht einen meistens nur noch mehr runter. Oder man lenkt den Fokus auf Lösungen und die "Lessons Learned" aus der Erfahrung. Natürlich ist es wichtig, ein Problem zu verstehen. Aber man kann sich auch so tief hineinfressen, dass man erst recht in einer negativen Spirale landet. Das zu erkennen, ist der erste Schritt: Habe ich gerade eher gute oder eher schlechte Gedanken? Nur wer sich das bewusst macht, kann auch etwas dagegen tun.

Frage 3: Motivation in schwierigen Lebenslagen

Trotz Ihrer erfolgreichen Karriere in Wirtschaft und Sport mussten Sie bestimmt auch schon Formtiefs durchstehen und den Glauben an Ihr Können bewahren. Auch Lernende stossen an Punkte, an denen die Motivation im Keller ist oder der Frust überwiegt. Welches ganz konkrete ‚Rezept‘ können Sie Jugendlichen und Ausbildnern mitgeben, um in solchen mentalen Tiefs den Fokus bewusst wieder auf das Positive und auf die eigenen Stärken zu lenken?

Wenn ich einen schlechten Tag habe, ordne ich zuerst ein: Ist das gerade nur ein frustrierender Moment? Dann versuche ich mich sofort in eine Situation zu bringen, die die Stimmung wieder dreht - meine Schwester anrufen, die mich zum Lachen bringt, ein bisschen Sport (manchmal reichen auch 20 Liegestütze), oder einfach kurz raus an die frische Luft und die Tiere beobachten. Wenn das nicht reicht und ich merke, es ist einfach ein schlechter Tag, dann "feiere" ich ihn: Pizza essen, Dinge tun, die ich mir sonst nicht erlaube, Netflix schauen, aber mit dem Versprechen an mich selbst, dass morgen wieder alles besser aussieht. Wichtig ist: Man sollte schlechte Momente nicht einfach wegschieben. Manchmal ist es eben einfach so, und das darf auch sein.

Frage 4: Auch kleine Schritte zählen

Eines Ihrer Rezepte für den Berufsalltag lautet: ‚Kleine Schritte zählen, Fortschritt sieht man erst, wenn man zurückschaut.‘ Gerade in der Lehre ist der Leistungsdruck oft hoch. Wie schafft man es als junger Mensch – oder auch als Ausbildner –, diesen Druck herauszunehmen und sich auf die kleinen, täglichen Schritte zu konzentrieren, statt nur auf das perfekte Endergebnis zu schielen?

Gerade bei grossen, ambitionierten Zielen, die Monate oder Jahre in der Zukunft liegen, merkt man den Fortschritt oft nicht. Deshalb ist es wichtig, ihn sichtbar zu machen. Eine ganz einfache Methode: Führe eine tägliche oder wöchentliche To-do- Liste und streiche alles ab, was du erledigt hast. Mein grösster Tipp: Fokussiere dich auf das Kontrollierbare, was du beeinflussen kannst. Nimm dir auch gerade in herausfordernden Phasen die Zeit, zurückzuschauen und dir bewusst zu machen, was du schon alles erreicht hast. Sonst wärst du nämlich jetzt nicht hier.

Frage 5: Balance ist kein Luxus (Zu Rezept 5)

Ihr letzter Tipp lautet: «Balance ist kein Luxus. Wer sich keine Erholung gönnt, bricht früher ein». Was raten Sie Jugendlichen und Ausbildnern, die sich im «Hamsterrad» befinden und nur noch Aufgaben, Pendenzen und Prüfungen sehen?

Das Wichtigste ist, in diesem Moment erst einmal zu erkennen, dass man mittendrin steckt. Fühlst du dich ständig unter Druck? Hast du keine Zeit mehr für Freunde, Sport und Hobbys? Dann lohnt sich die Frage: Wie lange geht das schon so, und wie fühlst du dich dabei?
Denk an eine Profisportlerin oder einen Profisportler: Keine und keiner von ihnen trainiert rund um die Uhr. Du bist in deinem Bereich genauso ein Profi und brauchst genauso Erholung, um wieder 100 Prozent geben zu können. Erholung heisst nicht unbedingt, nichts zu tun. Es kann auch heissen: Dinge und Aktivitäten tun, die deinen Kopf auf andere Gedanken bringen und dich danach besser fühlen lassen.

Monika Sattler ist eine vielschichtige Persönlichkeit:

Sie ist:

  • Expertin für Peak Performance und Eigenverantwortung
  • Radrekordhalterin
  • Keynote-Speakerin
  • Unternehmerin (Unterstützung von CEOs und Teams, die Rahmenbedingungen zu schaffen, um High Performance zu ermöglichen)

Ihr Werdegang und ihre Ausbildung:

  • CAS Executive & Leadership Coaching, Universität St. Gallen
  • Unternehmensberatung, Weltbank und IWF, Australien und USA
  • Master of Arts in Internationaler Sicherheit / Nuklearwaffen, Georgetown University, USA
  • Master of Science in Sportphysiologie, University of Minnesota, USA

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